ECER 2018 in Bolzano

ECER 2018 is happening during this week, and I am there (well, here actually) to present on two different subjects. One talk will be about maker culture and maker spaces in context of educational institutions („Making, Hacking, Teaching“), the other will be about McLuhan’s concept of media and if or how it applies to the digital age („Digital is the new Electric“). I will probably update this post during or after the conference with some more info, but right now you can find the slides to accompany both of the presentations as pdf files.

Update October 10th: For my presentation in McLuhan’s media concept I cut together a mashup of Youtube videos (this and this video to be exact) which both refer to a quote from McLuhan’s book The Medium is the Massage and an interview taken from this 1960’s documentary. With both already being mashups themselves I chose to do this deliberately to illustrate the concepts of hybrid media and media as content of media, that are at the core of McLuhan’s angle on Understanding Media. For copyright purposes I haven’t included the video with the slides or uploaded it anywhere, but I’ll try to do that in the future. Although not explicitly stated in the slides themselves, they are available under a Creative Commons Attribution 4.0 International License.

I can say that visiting ECER 2018 was a very successful and fun endeavor, not only because the hosts at Bolzano did their very best to make us feel welcome but also because several talks and conversations during breaks made for interesting exchanges of ideas and perspectives. One interesting project I was made aware of is the European Research Project MakEY which strives to promote Maker Spaces and Maker Culture in several European Countries and creating a network amongst those efforts. This seemed especially exciting to me because the projects focus on extra-school activities, although they were sometimes attached to educational institutions. With Making being a set of self-motivated activities to create any kind of artifact, often digitally enhanced or connected to practices that include digital media, it fits very well with our effort to promote a concept of Strukturelle Medienbildung as a basis to dealing with changes in the digital age. 

There seemed to be a sizable number of empirical projects in presentations that were focused on school related research though, be it the ever present attempt to create learning platforms or to include digital media in any form of classes. While all of them seemed to be very serious approaches I was struck by mostly pragmatic arguments for why or how those projects came to be, while theoretical frameworks seem to be based on somewhat dated instructional ideas of education or more recent spin offs of the those set of ideas. I’d argue that there is a lot of uncoordinated efforts and poorly substantiated assumptions at play, combined with heaps of money coming from commercial learning companies who don’t want to see their business model challenged too much. On the other hand it makes me optimistic that a more theory-based approach like we try to provide is indeed needed. I still believe we need to start with the assumption that we do not know what the digital age is and then carefully watch and analyze what has happened so far instead of just blindly carrying over old concepts or blind discarding them for no reason.

Von Willemsen und Medienbibliotheken

Media library by Taras Kalapun / flickr / CC-BY 2.0

Immer tief in der Nacht kommen die Ideen. Die Nacht wäre womöglich auch mal ein lohnenswertes Thema, soll aber hier keine gesteigerte Rolle spielen. Ich lausche der verstörend beruhigenden Stimme Roger Willemsens, der Autor liest sein Buch Der Knacks und beschreibt wortreich, blumig, kunstvoll und präzise das Phänomen des Aufwachsens und Alterns, des Liebens und des Sterbens. Er thematisiert in allen Partituren der deutschen Sprache die Erkenntnis, die in jedermanns und jederfraus Leben einmal kommt, wenn etwas Grundlegendes ausfällt und das Leben „die Richtung ändert“, einfach nie wieder dasselbe sein wird. Er nennt es den Knacks, wir würden es eventuell als biografische Krisen fassbar machen.

Ich lausche Roger Willemsen, aber ich lausche ihm nur teilweise. Oder besser, er ist nur ein Teil des Belauschten. Eigentlich lausche ich einem Bluetooth-Lautsprecher über meinem Bett, der den Ton wiederum vom nahegelegenen iPad drahtlos übermittelt bekommt. Und auf dem iPad läuft die App von Audible, dem Hörbuchhändler im Köcher des Amazon Konzerns. Das Hörbuch habe ich nicht herkömmlich gekauft, es wird mir digital zur Verfügung gestellt. Es gehört mir eigentlich auch nicht, ich bekomme eher so etwas wie eine Konsumerlaubnis. Jeden Monat bekomme ich von Audible ein Guthaben, damit könnte ich mir dann je ein bis zwei Hörbücher einverleiben. Tue ich dies jedoch nicht, dann sammelt sich das Guthaben. Achteinhalb Guthaben sind so zusammen gekommen, einiges davon habe ich nun unlängst in die großartigen Werke Willemsens investiert. Die Entscheidung dazu fällt leicht und schwer zugleich. Leicht, weil ich mich aktuell für Willemsens Lebenswerk interessiere und genug Guthaben gesammelt habe, um einfach alles herunterzuladen was Audible offeriert. Schwer, weil zuvor so viele andere Möglichkeiten die Zeit am Abend zu füllen abgelehnt werden müssen.
Ich könnte mir Aufzeichnungen aus Willemsens Schaffen auf YouTube anschauen oder aber Musik aus meiner Mediathek, also meiner digitalen Musikbibliothek anhören. 19.850 Objekte finden sich dort, die Musik reicht für fast 51 Tage non-stop und da sind die 40 Millionen Songs, die zusätzlich noch der Streamingdienst bereitstellt, nicht mitgerechnet. Dank fast unbegrenzter Speichermöglichkeiten im Netz und günstigem Massenspeicher daheim, kann ich zwischen vielen hundert Stunden Spielfilm und Serien (Netflix und Co. nicht mitgerechnet), zig tausenden Büchern und eBooks und mittlerweile 1200+ digitalen Spielen wählen, die sich über diverse Regalmeter und drei oder vier Onlineanbieter verteilen. Diese in circa einem Vierteljahrhundert gewachsene Medienbibliothek – das ist mir schon seit Jahren klar – werde ich niemals komplett abnutzen können. Es ist eine Sache von Minuten, sich die Gewinner des Hugo Awards, einem Literaturpreis für Science-Fiction, seit 1953 als Paket digital aus dem Netz zu laden, aber eine Sache von Jahren, diese Bücher auch alle zu lesen, wenn man nicht auch noch andere Interessen verfolgen möchte, wie z.B. regelmäßige Erwerbstätigkeit oder Körperhygiene.

Und so habe ich in wenigen Nächten irgendwann in den späten 2000er Jahren eine Bibliothek an englischsprachiger Belletristik angesammelt, auf die vielleicht viele kleine Buchhändler, die es ja angeblich kaum noch gibt, neidisch wären und habe damit doch gleichzeitig besiegelt, dass ich niemals alle diese Werke werde lesen können. Auch nicht vorlesen lassend. Und so scheint die Erkenntnis, dass man von medialen Formen, wie McLuhan es wohl formuliert hätte, umweltet wird, auch mit der Erkenntnis einher zu gehen, dass die über diese Formen verpackten Geschichten durch ihre schiere Mannigfaltigkeit verhindern, dass wir Ihrer noch ernsthaft und verbindlich habhaft werden können. Stattdessen beschäftigen wir uns womöglich lieber mit flüchtigen Formen der Unterhaltung, wie dem Computerspiel, welches seine Kraft erst durch die Interaktivität oder Interpassivität des Spielers entfaltet oder gar dem Let’s Play, welches die schon flüchtige Performanz des digitalen Spieles ergänzt durch eine womöglich noch flüchtigere Performanz des digitalen Vorspielens. Nicht flüchtig in der Form, dass man das mediale Artefakt nicht unbegrenzt zur Verfügung hat, sondern flüchtig weil die Situation der Erfahrung, das Gemeinschaftsgefühl und die Spontaneität in der Rückschau weder greifbar noch vergleichbar authentisch wirken können.

Es sei diese Erkenntnis womöglich das, was einer postmodernen Epiphanie noch am nächsten kommt: Das wir unmittelbar Zugriff haben auf die größte Sammlung an Informationen und Geschichten, die es jemals in der Menschheitsgeschichte gab und doch niemals in der Lage sind, diese moderne Bibliothek von Alexandria auch nur vollständig zu durchschreiten, geschweige denn zu aktualisieren oder internalisieren. Digitale Medienartefakte – und man könnte argumentieren, das diese mittelfristig die Majorität darstellen – bleiben Fragmente, die nur durch kontinuierliche Elektronenaktivität erhalten bleiben können, deren Chance eine Bedeutung zu entfalten im Angesicht der Vermassung von Bedeutungsangeboten aber immer schwächer wird. Es scheint mir dies ein Moment zu sein zu sein, der grundlegend die Tonart des Lebens ändert und dessen Konsequenz letztendlich, wie Willemsen es formulierte, die menschliche Erfahrung „ein wenig dünnflüssiger“ werden lässt: Der digitale Knacks.

 

Beitragsbild: „Media  Library“ von Taras Kalapun via flickr / CC-BY 2.0

 

Vortrag auf der Europäischen Lernwerkstättentagung 2018 in Halle

Am Samstag hatte ich die große Freude einen Impulsvortrag zur Frage von Lernen mit Dinge in der digitalen Welt auf der europäischen Lernwerkstättentagung in Halle an der Saale zu halten. Die Veranstalter, das Team der Lernwerkstatt Erziehungswissenschaft an der Martin-Luther-Universität, hatten Organisatoren von Lernwerkstätten zu einer 4-tägigen Konferenz eingeladen um sich im Rahmen eines ausgesprochen breit gestalteten Programms mit Workshops, Vorträgen und anderen Formaten dem Lernen mit Gegenständen insbesondere im Bereich der Neuen oder digitalen Medien zu nähern.

Mein Impulsvortrag zielte darauf ab, digitale Medialität als komplexes zusammenhängendes gesellschaftliches Phänomen zu modellieren, das alle Medienarchitekturen beeinflusst und als solches nicht als Alternativwelt – einer wie auch immer gearteten analogen Realität – verstanden werden sollte, sondern als umfassender transformierender Prozess, der an das Konzept der Mediatisierung nach Krotz anschlussfähig ist. Die Folien zum Vortrag finden sich hier zum Download (Irgendwas mit Medien machen – Digitale Welt zum Anfassen, CC-BY 2.0-Lizenz) und unten eingebunden auf Slideshare. Leider konnte ich mir nur einen knappen Eindruck der Veranstaltung machen, aber die Reise nach Halle hat sich zweifellos gelohnt und ich hatte den Eindruck, dass der Vortrag als Auslöser für Diskussionen und das Hinterfragen des eigenen pädagogischen Handelns gut funktioniert hat. Die Lernwerkstatt ist definitiv ein interessantes pädagogisches Konzept und vor dem Hintergrund von Aktiver Medienarbeit und einem konstruktivistischen Lernmodell eine spannende Alternative zu traditionellen Lerninstitutionen, die insbesondere an unser Verständnis von Medienbildung anschlussfähig zu sein scheint. Ich danke an dieser Stelle nochmal den Organisatoren um Dietlinde Rumpf und Kathrin Kramer für die Einladung!

 

Keanu + Marshall = Film is dead, Long live the Film [mirror]

(This essay is mirrored from Senseless Wisdom of Life where it was first published) I apologize to my German readers, but this essay is in English. 😉 It’s also a bit theoretical or may even be boring, if you don’t know either Understanding Media by Marshall McLuhan or the documentary Side-by-Side produced by Keanu Reeves which both ignited this stream of thought. I highly recommend to read and watch them, then come back here. I’ll even embed the trailer, just for you. *g* 

If that doesn’t stop you, here we go. Lots of text from now on…

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